Oft sind es die gefühlten Sackgassen, die Menschen bewegen, eine Therapie zu beginnen, bzw. um Unterstützung zu bitten. Das was bisher funktioniert hat, greift nicht mehr. So wie es bisher war, geht es nicht mehr oder nur mit größter Anstrengung.
Was tun wir, wenn wir in eine Sackgasse geraten?
Wir sprechen mit Freunden, wir lenken uns ab,
wir suchen in Büchern nach neuen Strategien, wir denken nach und wir versuchen durchzuhalten.
Alles wunderbare und probate Mittel, die manchmal jedoch nicht mehr genügen.
Die Überraschung ist: Wachstum beginnt mit Sackgassen.
Und Eingeständnis von Ratlosigkeit ist Humus und Boden für Heilung.
Therapie ist kein Kiosk für Ratschläge zur Lebensführung. Therapie ist Begegnung, ist gemeinsame Reise von Klient/in und Therapeut. Und diese Reise braucht Zeit und sie braucht Ihren Mut und Einsatz.
Es ist eine Reise, in der Sie die wunderbare Entdeckung machen können, was Sie bewegt, was Sie anzieht, und wie Sie sich selbst daran hindern, dort zu sein, wo Sie hin möchten.
Therapie ist kein Feld, um die Welt und ihre Verhältnisse zu verändern. Therapie ist ein
Weg zu mehr innerer Klarheit, zu mehr Freiheit und Wachstum.
Ein entscheidender Anteil dieser Reise ist Achtsamkeit, ist Erkunden und Spüren, ist
Ausprobieren, ist Lernen.
Das was ist, darf sein. Gleich was es ist. Das was ist, darf sich entfalten, darf gesehen,
anerkannt und gelebt werden. Wenn das geschieht, öffnen sich neue Räume.
Manche Menschen vermuten, dass der Gang zum Therapeuten der Nachweis ihres
absoluten Versagens sei, der Beweis, dass mit Ihnen tatsächlich etwas nicht stimmt. In
der Tradition der Clowns gehört Scheitern zum Leben. Scheitern ist auch Befreiung von
unserem Allmachts-Anspruch an uns selbst. Wie tröstlich könnte es sein, wie unsagbar
befreiend, im Moment des Scheiterns nicht alleine zu bleiben.
Wir bewegen gerne das, was uns quält, im Kopf hin und her und umkreisen es, wie ein
Satellit die Erde. Und nichts bewegt sich. Und wir erleben: weder Denken noch fortgesetztes
„Erzählen“ helfen. Nur fühlen hilft. Das zulassen, das „aktuell“ werden lassen, was ist.
Deshalb werde ich Sie immer wieder auffordern zu fühlen, zu spüren.
Was ist darf sein, was sein darf, verändert sich.
Therapie ist immer auch Erkunden und Experimentieren. Lernen beginnt immer mit der
Entdeckung von Möglichkeiten. Was ist nicht alles möglich, wenn wir – und sei es nur für
einen Moment - die Welt unserer kleinen Konzepte verlassen.
Es geht also auch um Lernen, um Probieren, um Üben. Halten Sie sich einen Moment
das Bild eines Kindes vor Augen, das Laufen lernt. Können Sie vor Ihrem inneren Auge
sehen, wie das Kind von innen heraus leuchtet, während es die ersten Schritte tut,
während es hinfällt, wieder aufsteht? Wie klein die Schritte zu Beginn sind!
Mit Ihnen ist vieles möglich, ohne Sie nichts. Mit anderen Worten: in der erfolgreichen Therapie sind Klient/in und Therapeut ein Team. Und der erste Schritt zum Team ist immer der Blick auf die gegenseitigen Erwartungen. Was ist Ihre Erwartungen an einen Therapeuten? Was wünschen Sie sich von mir? Und was sind meine Erwartungen an Sie? Was brauche ich von Ihnen, um Sie gut unterstützen zu können?